Ergebnisse der Umfrage zur aktuellen wirtschaftlichen Situation im Kreis Soest

Ein Großteil der Unternehmen aus dem Kreis Soest hatte mit Beginn der Einschränkungen durch die Coronakrise und den darauf folgenden Wochen Umsatzrückgänge zu verbuchen. Bei vielen Firmen wird die wirtschaftliche Situation voraussichtlich auch in den nächsten Monaten angespannt bleiben. Jedoch steigt die Zuversicht der Unternehmen und auch der Beratungsbedarf zu unternehmerischen Themen, abseits von “Corona” bleibt hoch. So wünschen sich 2 von 3 Unternehmen Unterstützung in den Bereichen Fördermittel und Weiterbildungsförderung, bei der Digitalisierung und neuen Geschäftsmodellen sowie bei der Innovationsförderung. Außerdem stehen die Themen Sicherung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte weiter im Fokus der Unternehmen.

Bei der kreisweiten Unternehmensbefragung, zu der die wfg Wirtschaftsförderung Kreis Soest GmbH aufgerufen hatte, haben insgesamt 273 Unternehmen aus dem Kreis Soest teilgenommen. Ziel der Befragung war es, die aktuelle Situation der Unternehmen im Kreis Soest aufgrund der aktuellen Herausforderungen besser abschätzen und den jeweiligen Beratungsbedarf erfassen zu können. Aus den zahlreichen Gesprächen mit den Unternehmen aus den letzten Wochen konnte bereits ein Einblick in die aktuelle Situation gewonnen werden, der durch die Umfrage vertieft wurde.

Betriebsgrößen nach Mitarbeitern und Branchen der teilgenommenen Unternehmen

Bei ca. 27% der teilgenommenen Betriebe handelt es sich um Kleinstunternehmen mit weniger als 5 Mitarbeitern, sowie 16% mit 5 bis 9 Mitarbeitern. Kleinunternehmen mit 10-49 Beschäftigten machen mit 35% die größte Gruppe der teilgenommenen Unternehmen aus. Mittlere Unternehmen mit 50-249 Beschäftigten ergeben einen Anteil von 16% und Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern einen Anteil von ca. 5%. Ca.1 % der Antwortgeber haben keine Angabe zur Betriebsgröße gemacht.

Knapp jedes dritte teilgenommene Unternehmen ist in der Dienstleistungsbranche tätig. Unternehmen aus der Industrie und Produktion haben einen Anteil von ca. 23% und im Handwerk sind 17% tätig. Gefolgt werden diese von Unternehmen aus der Hotellerie, der Gastronomie und dem Einzelhandel mit knapp 8%. Im Gesundheitswesen sind ca. 7% tätig, ebenso ist der Anteil der freien Berufe. Die wenigsten Unternehmen aus der Umfrage sind aus dem Großhandel.

Beurteilung des wirtschaftlichen Risikos der Coronakrise auf die Existenz der Selbstständigkeit oder des Unternehmens

Der Großteil der Unternehmen schätzt, dass die Coronakrise ein mittleres wirtschaftliches Risiko für die Existenz ihrer Selbstständigkeit oder ihres Unternehmens darstellt. 31% der Befragten sehen ein geringes Risiko und 26% sogar ein großes wirtschaftliches Risiko. Nur ca. 5% der Teilnehmer sehen für ihr Unternehmen oder ihre Selbstständigkeit kein Risiko im Rahmen der Coronakrise.

Zusätzlich ergab die Umfrage, dass ca. vier von fünf Unternehmen seit Beginn der Einschränkungen und in den darauf folgenden 4-8 Wochen einen Rückgang bei Bestellungen und Aufträgen zu verzeichnen hatten. Ein ähnlich hoher Anteil rechnet zudem mit weiteren Auftragsrückgängen in den nächsten Wochen.

Auswirkungen der Coronakrise auf die Umsätze für das Geschäftsjahr 2020

Betrachtet man die voraussichtlichen Auswirkungen der Coronakrise auf die Umsätze des Geschäftsjahres 2020, erwarten lediglich ca. 6% der Unternehmen keinen Umsatzrückgang. Der Großteil mit ca. 41% rechnet mit einen Umsatzrückgang bis zu 25% und ca. 14% sogar mit einem Rückgang höher als 50%.

Eine genauere Nachfrage nach den Umsatzauswirkungen zeigt, dass mit Beginn der Einschränkungen durch die Coronakrise und den darauf folgenden 4-8 Wochen jedes dritte Unternehmen einen Umsatzrückgang von mehr als 50% zu verbuchen hatte. Knapp 18% haben keinen Umsatzrückgang festgestellt.

Setzt man die erwartenden Umsatzauswirkungen für das Geschäftsjahr 2020 mit den Umsätzen seit Beginn der Einschränkungen durch die Coronakrise und den darauf folgenden 4-8 Wochen in Beziehung, so ist erkennbar, dass einige Unternehmen bislang keine Auswirkungen in den Umsätzen gemerkt haben, aber im Laufe des Jahres einen Rückgang erwarten. Andere wiederum hatten insbesondere mit Beginn der Einschränkungen durch die Coronakrise und den darauf folgenden 4-8 Wochen einen deutlichen Umsatzeinbruch mit über 50%, erwarten aber im Laufe des Geschäftsjahres eine leichten Anstieg der Umsätze im Vergleich zu diesen Zeitraum.

Auswirkung der Coronakrise auf die Unternehmensplanung für das Geschäftsjahr 2020

Die aktuelle Situation hat auch Auswirkungen auf die Unternehmensplanungen für das Geschäftsjahr 2020 und wohl möglich auch für die folgenden Jahre. Welchen Effekt hat die Situation auf die Investitionspläne und Personalplanung der Unternehmen?

Ca. jedes zweite Unternehmen hat die Investitionspläne für das aktuelle Geschäftsjahr bereits verschoben oder plant diese zu verschieben und bei 7% sind geplante Investitionen bereits gestrichen worden. 23% der Unternehmen planen weiterhin in diesem Jahr Investitionen in das Unternehmen zu tätigen.

Und wie sieht die Personalplanung aus? Im Rahmen der Coronakrise haben der Bundestag und der Bundesrat umfangreiche Anpassungen des Kurzarbeitergeldes beschlossen und zudem die Zugangsvoraussetzungen erleichtert, um unter anderem die Mitarbeiter vor der Kündigung zu schützen. Fast jedes zweite Unternehmen hat das Kurzarbeitergeld bereits in Anspruch genommen und weitere 8% planen es noch zu beantragen. Wiederum 47% der Befragten planen jedoch nicht das Kurzarbeitergeld zu beantragen.

Der Einsatz des Kurzarbeitergeldes hat wohl möglich auch dazu beigetragen, dass knapp 65% der Unternehmen keine Veränderungen im Bereich der Belegschaft planen vorzunehmen. Mehr als 12% suchen derzeit sogar Fachkräfte. Jedoch sehen sich 23% gezwungen über eine Verkleinerung der Belegschaft nachzudenken.

Inanspruchnahme von Hilfsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierung

Die Bundes- und Landesregierung hat einige Hilfsmaßnahmen zur Untersützung der Unternehmen ins Leben gerufen. Von den eingesetzten Instrumenten ist mit 37% am häufigsten die NRW-Soforthilfe beantragt worden. Jedes fünfte Unternehmen hat die Möglichkeit der Steuerstundungen und das Aussetzen von Steuervorrauszahlungen in Anspruch genommen und 12% haben Förderkredite oder andere Finanzierungsmaßnahmen beantragt. Fast die Hälfte der teilgenommenen Unternehmen haben keine der Hilfsmaßnahmen beantragt.

Fragt man zusätzlich nach der Zufriedenheit der Unterstützungsangeboten der Bundes- und Landesregierung, sind 2 von 3 mit den Hilfen zufrieden. Jeder Dritte wünscht sich jedoch mehr Unterstützung. Insbesondere eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes sowie eine Unterstützung der Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung wurden genannt. Zudem wurde die Bürokratie beanstandet.

Aktueller Beratungsbedarf der Selbstständigen und der Unternehmen

2 von 3 Unternehmen haben bei der Unternehmensumfrage einen Beratungsbedarf angegeben. Insbesondere ist eine Unterstützung in den Bereichen Fördermittel und Weiterbildungsförderung sowie bei der Digitalisierung, neuen Geschäftsmodellen und bei der Innovationsförderung gewünscht. Außerdem stehen die Themen Sicherung und Gewinnung qualifizierter Fachkräfte im Fokus der Unternehmen. Bei den Ergebnissen dieser Frage muss die Branchenvielfalt der teilgenommenen Unternehmen berücksichtigt werden. So sind nicht alle Themen für alle Branchen von Relevanz.

Die Erkenntnisse für die wfg

Die Ergebnisse der wfg.Unternehmensbefragung 2020 bestärken die wfg in ihrer derzeitigen Themenausrichtung. Der Beratungsbedarf bei  Digitalisierung und Innovation, bei der Geschäftsmodellentwicklung, aber auch bei der Fachkräftesicherung sind Themen bei denen die wfg mit verschiedenen Projekten die heimische Wirtschaft unterstützt. Die aktuelle Situation scheint den Bedarf nach einigen dieser Themen noch erhöht zu haben. Die wfg bedankt sich ganz herzlich bei den Teilnehmern und freut sich mit dem Input aus der Umfrage und dem Austausch mit den heimischen Unternehmen weiterhin das richtigen Unterstützungsangebot anzubieten.